Warum ich einen Kindle kaufte und warum ich noch skeptisch bin

Ich wollte diesen Eintrag eigentlich mit „hätte mir vor einem halben Jahr jemand erzählt, ich würde einen Kindle kaufen…“ anfangen. Tatsächlich ist mir selbst nicht ganz klar, was ich dann getan hätte. Vermutlich hätte es aber ein schweres Buch und eine Gehirnerschütterung involviert.

Meine Abneigung gegen eBook-Reader existiert bereits so lange wie die Geräte selbst, allerdings habe ich mir nie wirklich Gedanken gemacht, warum das so ist. Das ist rückblickend ziemlich ignorant, aber auch irgendwie ok. Es gibt eine Reihe von offensichtlichen Gründen für meine Abneigung, und einige weniger offensichtliche.

Hardware, Haptik und Handhabung

Allem voran: Die Geräte sind billig. Damit meine ich nicht nur den Preis, sondern auch Materialien, Aussehen und Verarbeitung. Zwar hatte ich noch keinen Kindle in der Hand, allerdings durfte ich die Geräte schon mehrfach von der Ferne bewundern. Plastik gehört nicht zu Stoffen, aus denen ich meine Hardware gefertigt haben möchte. Der Kindle besteht aus Plastik.
Für das monetäre Äquivalent zu zwei Fläschchen Parfüm kann man nicht viel erwarten, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass einige Leute bereit wären, auch im eBook-Sektor Geld für hochwertigere Hardware auszugeben. Was ich dagegen nicht weiß; ob sich eInk-Displays überhaupt irgendwie hochwertig integrieren lassen. Glas davor zu setzen wäre ziemlich sinnfrei, bekäme man dann doch so wieder die Reflexionen, die man tunlichst vermeiden will – besonders weil das Display selbst nicht beleuchtet ist. Was bleibt ist die übliche Plastikbeschichtung.

Ein eBook-Reader ist kein Buch. Auch das sage ich, ohne das Gerät bislang selbst in der Hand gehabt zu haben. Trotzdem kann nichts, ich wiederhole, nichts die Haptik und Usability eines Buches ersetzen. Bei einem Buch kann ich das Papier unter meinen Fingern fühlen. Je nach Wahrnehmung ist man entweder süchtig nach dem Geruch frisch gedruckter Bücher oder ekelt sich davor. In beiden Fällen gehört es irgendwie zu einem neuen Buch dazu.
Will meine Position im Buch markieren, sei es kurz- oder langfristig, kann ich irgendetwas zwischen die betreffenden Seiten werfen, gerne auch die Reste vom Abendbrot. Oder ich lege das Buch verkehrtherum irgendwohin.
Notizen kann ich mit einem Schreibutensil meiner Wahl am Rand, zwischen den Zeilen oder auf einem hineingelegten Zettel machen.
Wie das ganze auf dem Kindle funktioniert, kann ich noch nicht sagen. Ich kann mir allerdings, bei einem Gerät ohne Tastatur, denken, dass Notizen ziemlich schwer hinzuzufügen sind und man dabei auch ziemlich eingeschränkt sein wird, was die Möglichkeiten angeht.

Virtuelle Bücher sind virtuell

Zu Büchern gehört es auch irgendwie dazu, sie im Regal stehen zu haben. Nicht nur kann ich damit jedem Besucher zeigen, wie unglaublich belesen und gebildet ich bin, ich habe damit auch einen schnellen Überblick, was ich an Literatur da habe. Das gleiche gilt, wenn ich selbst irgendwo zu Besuch bin. Anhand der im Regal stehenden Bücher kann ich ziemlich gut einschätzen, was der andere für eine Person ist und finde das ein oder andere Mal auch neue Gesprächsthemen, auf die wir sonst so nie gekommen wären.
Organisiert man seine – physikalisch nicht vorhandenen – Bücher nun mittels Software, lässt sich argumentieren, fände man schneller Gesuchtes. Man hätte einen besseren Überblick über seine gesammelten Werke. Das stimmt nur begrenzt. Klar ist ein Computerprogramm wesentlich effizienter darin, Ordnung herzustellen. Aber zum Charme des Buches gehört auch dazu, selbst bestimmen zu können, an welchem Ort es sich genau befinden soll.
Es kommt auf persönliche Präferenzen an, ob man seine eBooks an einem zentralen Ort gesammelt oder die Bücher wild durch eigene Wohnung und Bekanntenkreis verstreut wissen möchte. Ich selbst bin mir noch nicht sicher, was bei mir der Fall sein wird.

Hier kommen wir auch zur Krux: ich kann eBooks, dank DRM, nicht einfach so aus meinem Regal nehmen und verleihen oder gar verschenken, wenn ich sie durchgelesen habe und nicht für gut genug für meine eigene Sammlung erachte oder für so besonders gut, dass der oder die Bekannte das Buch auch unbedingt lesen muss.
Ja, eBooks sind etwas billiger als normale Bücher. Das rechtfertigt in einem gewissen Maße auch eingeschränkte Privilegien, was den Umgang mit den Besitzrechten angeht. Allerdings, wer ein eBook wirklich raubkopieren will, kann dies ziemlich einfach tun. Die Betonung des Preises liegt auch bei etwas billiger, es muss noch einiges geschehen, bis die Kosten eines eBooks in einem in meinen Augen angemessenen Rahmen liegen. Orientieren kann man sich hier meiner Meinung nach an den AppStore-Preisen. Der unteren Preiskategorien.

Letzte Worte eines Buchliebhabers

Ich betrachte den Kauf des Kindles als Experiment. Ich werde entscheiden, ob eBooks etwas für mich sind. Solange die Usability einigermaßen ok ist kann ich darin sicherlich zumindest eine Alternative zu gedruckten Büchern finden. Wenn beim Kauf eines gedruckten Buches, wie bei manchen Verlagen, ein Gutscheincode für das zugehörige eBook enthalten ist, um so besser.

Es kann sein, dass ich in ein paar Wochen etwas völlig anderes erzähle und total begeistert bin vom Kindle. Es kann aber auch sein, dass ich schlussendlich zu dem Ergebnis komme, eBooks seien nichts für mich und ich bliebe lieber bei Tinte auf Papier. Wie dem auch sei, ich hielt es für wichtig meine Gedanken zu dem Thema festzuhalten, bevor meine Meinung durch den Besitz eines entsprechenden Gerätes beeinflusst wird.

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