Vom Umschreiben der Geschichte

Fünf Jahre lang existierte in der englischen Wikipedia ein Artikel zu einem Krieg, der niemals stattfand. Fünf Jahre lang war ein Krieg zwischen Portugal und einem bis 1820 existierenden indischen Königreich faktisch Realität. Nur einem aufmerksamen Nutzer, der geflissentlich alle Quellen überprüfte, ist es nun zu verdanken, dass der Schwindel aufflog.

History is no longer written by the winners, but by the geeks. techcrunch.com/2013/01/06/an-…

— Robert Heinecke (@heinecke) January 6, 2013

Wir leben in der Realität, auf die wir uns geeinigt haben. Der Einfluss von Informationen, die heutzutage niemand mehr mit einhundertprozentiger Sicherheit überprüfen kann, für die es keine Zeitzeugen und nur wenige Primärquellen gibt, steigt. Das ist bedenklich; treten wir doch gerade erst über, aus einer Zeit, in der ganze Redaktionen mit der Aufarbeitung und Überprüfung von Fakten und Quellen beschäftigt waren, um sie dann in gebündelter Form zu veröffentlichen, in ein Zeitalter der Wiki-isierung, der Demokratisierung des Wissensschatz. Das ehemals so glorreiche Ziel, dass jeder zum Weltwissen beitragen kann und in den eigenen Fachgebieten für eine Steigerung der frei verfügbaren Informationen sorgt, wird so zum zweischneidigen Schwert:

Auf der anderen Seite nämlich besteht auch die Gefahr, dass Personen das Weltwissen gezielt manipulieren, zum Beispiel um Misinformation zu streuen, die gemeinsame Wissensbasis kompromittieren und das Wissen der Menschheit so beschädigen.

Ryan Holiday beschreibt in seinem Buch „Trust Me, I’m Lying„, wie er die allgemeine Recherchefaulheit von Redakteuren dafür nutzt, falsches Wissen zum allgemeinen Wissensschatz hinzuzufügen, um beispielsweise effekthascherisch Werbung für bestimmte Produkte oder Personen zu machen. Dies ist längst keine neue Strategie, erstreckt sich solches Vorgehen doch bereits bis in die Antike. Wissen ist Macht und wer über Wissen bestimmt, hält damit auch die Kontrolle über Machtverhältnisse in seinen Händen. Es wird nur durch immer niedrigere Schwellen zum Redigieren der Wissensdatenbanken, zumindest auf den ersten Blick, immer einfacher, Informationen zu manipulieren.

Der Fakt, dass solche Manipulationen nun auch schon in der weiter zurückliegenden Weltgeschichte aufgedeckt werden, lässt mich jedoch nun ernsthaft zweifeln, ob die vollständige Demokratisierung des Wissens eine so gute Idee ist. Der Fall wird nicht der letzte bleiben und mit politischen oder wirtschaftlichen Interessen werden wir in Zukunft höchstwahrscheinlich eine Verschlimmerung der Situation erleben.

Das einzig Beruhigende ist, dass es aufgedeckt wird. Noch. Ich möchte mir jedoch nicht ausmalen, wie viel falsche Informationen heute bereits als allgemein anerkannte Fakten gelten.

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